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Dr. Nüchel
Kasse und privatDurchführung: Ärztin/ArztDermatologie

Nesselsucht (Urtikaria)

Quaddeln und Juckreiz einordnen, Auslöser suchen und die Beschwerden mit einer abgestuften Therapie unter Kontrolle bringen.

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Was ist das?

Nesselsucht (Urtikaria) ist eine der häufigsten Hauterkrankungen; etwa jeder Fünfte bekommt sie einmal im Leben. Typisch sind Quaddeln: blasse oder rötliche, erhabene Schwellungen der Haut, die stark jucken, innerhalb von Minuten entstehen und meist nach wenigen Stunden wieder verschwinden, während an anderer Stelle neue auftreten. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen kommen tiefere Schwellungen (Angioödeme) hinzu, etwa an Lippen, Lidern oder Händen.

Ursache ist die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen der Haut. Auslöser können Infekte, Medikamente wie Schmerzmittel oder Antibiotika, Nahrungsmittel oder Insektenstiche sein. Bei der chronischen Form findet sich oft kein äußerer Auslöser; manchmal spielen Autoimmunprozesse eine Rolle, oder körperliche Reize wie Kälte, Druck, Wärme oder Reibung lösen die Quaddeln aus (induzierbare Urtikaria).

Wir unterscheiden nach der Dauer. Die akute Urtikaria dauert weniger als sechs Wochen und klingt meist von selbst ab. Bestehen die Quaddeln länger, sprechen wir von einer chronischen Urtikaria; sie kann Monate bis Jahre anhalten und braucht eine strukturierte Abklärung und Behandlung.

Für wen?

  • Plötzlich auftretende juckende Quaddeln am ganzen Körper
  • Quaddeln, die seit mehr als sechs Wochen immer wieder auftreten
  • Schwellungen an Lippen, Lidern, Händen oder Füßen (Angioödem)
  • Quaddeln nach Kälte, Druck, Sport, Wärme oder Reibung
  • Verdacht auf einen Zusammenhang mit Nahrungsmitteln, Medikamenten oder Insektenstichen

Ablauf

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    Gespräch

    Wann treten die Quaddeln auf, wie lange bleibt eine einzelne Quaddel, gibt es Schwellungen, was ging voraus: ein Infekt, ein neues Medikament, ein Essen, ein Stich, Sport oder Kälte? Fotos der Quaddeln helfen, weil sie beim Termin oft schon verschwunden sind.

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    Untersuchung

    Wir sehen uns die Haut an und prüfen, ob sich durch Reiben Quaddeln auslösen lassen (Urticaria factitia). Bei Verdacht auf eine induzierbare Form testen wir den Reiz gezielt, etwa mit einem Kälte- oder Drucktest. TODO: Ärztlich bestätigen, welche Provokationstests die Praxis durchführt.

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    Labor und Allergietests

    Bei der akuten Urtikaria ist meist keine weitere Diagnostik nötig. Bei chronischer Urtikaria untersuchen wir ein Basislabor (Blutbild, Entzündungswerte) und ergänzen gezielt, etwa Schilddrüsenwerte oder Autoantikörper. Allergietests sind nur sinnvoll, wenn die Vorgeschichte auf einen konkreten Auslöser hinweist; bei der chronischen Form ist eine Allergie selten die Ursache.

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    Behandlung in Stufen

    Bekannte Auslöser meiden Sie, etwa bestimmte Schmerzmittel. Mittel der ersten Wahl sind moderne, nicht müde machende Antihistaminika. Reichen sie in Standarddosis nicht aus, erhöhen wir die Dosis nach Leitlinie bis auf das Vierfache. Bleiben die Beschwerden, kommt bei chronischer Urtikaria eine Antikörpertherapie in Frage, die alle vier Wochen unter die Haut gespritzt wird. Kortison setzen wir nur kurz bei schweren akuten Schüben ein.

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    Verlaufskontrolle

    Mit einem Tagebuch oder einem kurzen Fragebogen (Urtikaria-Aktivitätsscore) halten Sie Quaddeln und Juckreiz fest. Danach passen wir die Therapie an und prüfen in Abständen, ob sie sich verringern lässt.

Technologie oder Wirkstoff

Antihistaminika blockieren die H1-Rezeptoren, über die Histamin Juckreiz und Quaddeln auslöst. Die Antikörpertherapie fängt das Immunglobulin E ab, das Mastzellen aktiviert; sie ist für die chronische spontane Urtikaria zugelassen, wenn Antihistaminika nicht ausreichen.

Was Sie realistisch erwarten können

  • Die akute Urtikaria klingt meist innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen ab, auch wenn kein Auslöser gefunden wird.
  • Bei chronischer Urtikaria ist das Ziel, beschwerdefrei zu sein, solange die Erkrankung besteht. Die Medikamente unterdrücken die Symptome; die Ursache beseitigen sie nicht. Bei vielen Betroffenen verschwindet die chronische Urtikaria nach einigen Jahren von selbst.
  • Einen einzelnen Auslöser finden wir bei chronischer Urtikaria nur selten. Das ist typisch für die Erkrankung und kein Versäumnis der Diagnostik.
  • Ergebnisse sind individuell und lassen sich nicht garantieren.

Risiken und Nebenwirkungen

  • Notfall: schwere allergische ReaktionQuaddeln können Teil einer schweren allergischen Reaktion sein. Bei Atemnot, Schwellung im Hals, Schluckbeschwerden, Schwindel oder Kreislaufschwäche wählen Sie sofort den Notruf 112. Wer schon einmal so reagiert hat, sollte ein Notfallset mit Adrenalin-Autoinjektor bei sich tragen und den Umgang damit kennen.
  • AntihistaminikaModerne Antihistaminika machen selten müde. In höherer Dosis können Müdigkeit, Mundtrockenheit oder Kopfschmerzen auftreten.
  • AntikörpertherapieReaktionen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen und Infekte der oberen Atemwege sind beschrieben; sehr selten allergische Reaktionen auf das Präparat.
  • KortisonBei längerer Einnahme drohen Gewichtszunahme, Blutzuckeranstieg und Knochenschwund. Deshalb setzen wir Kortison nur kurz und nur bei schweren Schüben ein.
  • Belastung durch JuckreizChronischer Juckreiz stört Schlaf und Konzentration. Sprechen Sie das an; eine gute Kontrolle der Beschwerden ist das Ziel der Behandlung.

Wann wir nicht behandeln

  • Provokations- und Allergietests nur, wenn eine Notfallversorgung sichergestellt ist
  • Bestimmte Antihistaminika in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Rücksprache

Ergebnisse sind individuell und lassen sich nicht garantieren.

Vor- und Nachsorge

Vorbereitung

  • Fotografieren Sie Quaddeln und Schwellungen, wenn sie auftreten.
  • Notieren Sie Beginn, Dauer, Tageszeit und mögliche Auslöser.
  • Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit, auch frei verkäufliche Schmerzmittel und Nahrungsergänzungen.
  • Vor Allergietests setzen Sie Antihistaminika nach Absprache einige Tage ab; vor dem Erstgespräch nehmen Sie sie weiter.

Nachsorge

  • Nehmen Sie Antihistaminika bei chronischer Urtikaria regelmäßig, nicht nur bei Bedarf.
  • Meiden Sie bekannte Auslöser und Verstärker: Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure und andere nichtsteroidale Antirheumatika, Alkohol, Hitze, enge Kleidung.
  • Bringen Sie das Urtikaria-Tagebuch zu den Kontrollterminen mit.

Kosten und Erstattung

Abklärung und Behandlung der Nesselsucht sind Leistungen der gesetzlichen und privaten Krankenkassen, einschließlich Labor, Allergietests und verordneter Medikamente.

Wirkprinzip und Evidenz

Die internationale Urtikaria-Leitlinie empfiehlt nicht sedierende H1-Antihistaminika als erste Stufe, bei Bedarf in bis zu vierfacher Dosis, und bei chronischer spontaner Urtikaria als nächste Stufe die Antikörpertherapie. Für diese Stufen liegen kontrollierte Studien vor.

Quellen

  • Internationale Urtikaria-Leitlinie (EAACI/GA2LEN/EuroGuiDerm/APAAACI, Zuberbier et al., 2022)
  • Deutsche Dermatologische Gesellschaft, Patienteninformationen zur Urtikaria

Häufige Fragen

Meist nicht. Die akute Form folgt oft auf einen Infekt oder ein Medikament, die chronische Form hat in der Regel keinen äußeren Auslöser. Eine echte Allergie steckt nur selten dahinter; dann treten die Quaddeln zuverlässig innerhalb von Minuten nach dem Kontakt auf.

Nein. Quaddeln entstehen durch körpereigene Botenstoffe in der Haut, nicht durch Erreger.

Eine einzelne Quaddel besteht meist weniger als 24 Stunden, weil der Körper das Histamin abbaut. Solange die Mastzellen aktiviert bleiben, entstehen neue Quaddeln. Bleibt eine Quaddel länger als 24 Stunden an derselben Stelle und hinterlässt sie Verfärbungen, klären wir eine Gefäßentzündung (Urtikariavaskulitis) ab.

Bei der chronischen Urtikaria hilft eine Diät nur einem Teil der Betroffenen. Eine pseudoallergenarme Kost über einige Wochen kann einen Versuch wert sein, wenn die Beschwerden mit dem Essen schwanken. Dauerhaft strenge Diäten ohne Beleg raten wir nicht an.

So lange, wie die Urtikaria aktiv ist, bei der chronischen Form oft Monate. Alle drei bis sechs Monate versuchen wir, die Dosis zu senken oder das Mittel abzusetzen, um zu prüfen, ob die Erkrankung abgeklungen ist.

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