Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen)
Übermäßiges Schwitzen ärztlich einordnen und stufenweise behandeln: Antitranspirantien, Botulinumtoxin oder Radiofrequenz-Microneedling der Achseln.
- WirkdauerBotulinumtoxin: einige Monate (TODO: Wirkdauer bei Hyperhidrose ärztlich bestätigen)
- BetäubungBetäubungscreme und/oder Kältebetäubung
- SitzungenBotulinumtoxin: 1; RF-Microneedling: 2–4 im Abstand von ca. 4 Wochen
Was ist das?
Schwitzen ist lebenswichtig: Über den Schweiß gibt der Körper Wärme ab. Von Hyperhidrose sprechen wir, wenn deutlich mehr Schweiß entsteht, als die Wärmeregulation braucht, und das Schwitzen den Alltag belastet. Viele Betroffene meiden helle Kleidung oder das Händeschütteln.
Am häufigsten ist die primäre Form. Sie beginnt meist in der Jugend, betrifft Achseln, Handflächen oder Fußsohlen, oft beidseitig, und hat keine erkennbare Grunderkrankung. Seltener ist das Schwitzen Folge einer anderen Ursache, etwa einer Schilddrüsenüberfunktion, der Wechseljahre, einer Infektion oder von Medikamenten. Dann steht die Behandlung dieser Ursache im Vordergrund.
In unserer Praxis behandeln wir die verstärkte Schweißbildung an den Achseln (axilläre Hyperhidrose) mit Botulinumtoxin oder mit dem fraktionierten Radiofrequenz-Microneedling. Davor steht meist ein Versuch mit Antitranspirantien aus der Apotheke. TODO: Ärztlich bestätigen, ob die Praxis auch Handflächen und Fußsohlen behandelt (die Quellen nennen nur die Achseln).
Für wen?
- Starkes Schwitzen an den Achseln, das Kleidung durchnässt und den Alltag einschränkt
- Schwitzen, das auf Antitranspirantien aus der Apotheke nicht ausreichend anspricht
- Wunsch nach einer Behandlung, die länger wirkt als ein Antitranspirant (Botulinumtoxin)
- Wunsch, die Zahl der Schweißdrüsen an den Achseln zu verringern statt sie nur vorübergehend zu blockieren (Radiofrequenz-Microneedling)
- Neu aufgetretenes, nächtliches oder den ganzen Körper betreffendes Schwitzen: hier steht die Abklärung der Ursache an erster Stelle
Ablauf
- 1
Gespräch und Untersuchung
Wir fragen, seit wann Sie schwitzen, an welchen Stellen, in welchen Situationen und wie stark, ob Familienmitglieder betroffen sind und welche Medikamente Sie nehmen. Schwitzen am ganzen Körper, nachts oder zusammen mit Gewichtsverlust weist auf eine andere Ursache hin. Dann veranlassen wir eine Laboruntersuchung, etwa der Schilddrüsenwerte.
- 2
Erster Schritt: Antitranspirantien (Selbstbehandlung)
Bei der primären Hyperhidrose sind aluminiumchloridhaltige Antitranspirantien aus der Apotheke meist der erste Versuch. Sie verschließen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen für einige Tage. Sie tragen das Mittel abends auf die trockene Haut auf; anfangs kann die Haut brennen oder sich röten. TODO: Ärztlich bestätigen, dass die Praxis dieses Stufenschema so anwendet.
- 3
Botulinumtoxin
Reicht das nicht aus, spritzt der Arzt Botulinumtoxin in kleinen Mengen oberflächlich in die Haut der Achseln. Der Wirkstoff blockiert die Nervensignale an die Schweißdrüsen. Die Behandlung dauert etwa 15 bis 30 Minuten; auf Wunsch kühlen wir die Haut vorher oder tragen eine betäubende Creme auf. Die Schweißbildung nimmt innerhalb weniger Tage ab und bleibt für einige Monate verringert.
- 4
Radiofrequenz-Microneedling
Sollen die Schweißdrüsen selbst weniger werden, kommt das fraktionierte Radiofrequenz-Microneedling in Frage. Feine Nadeln geben Radiofrequenzenergie in die Tiefe der Haut ab, wo die Schweißdrüsen liegen, und veröden sie dort. In der Regel sind zwei bis vier Sitzungen im Abstand von etwa vier Wochen nötig. Zur Schmerzlinderung setzen wir eine Betäubungscreme und/oder eine Kältebetäubung ein.
- 5
Kontrolle
Nach der Behandlung besprechen wir, wie sich das Schwitzen verändert hat. Lässt die Wirkung von Botulinumtoxin nach, lässt sich die Behandlung wiederholen. Beim Radiofrequenz-Microneedling beurteilen wir nach der Serie, ob eine weitere Sitzung sinnvoll ist.
Technologie oder Wirkstoff
Schweißdrüsen erhalten ihren Befehl über Nervenfasern, die den Botenstoff Acetylcholin freisetzen. Botulinumtoxin blockiert diese Freisetzung vorübergehend. Über Monate bildet der Körper neue Nervenendigungen, die Wirkung klingt ab, und der Körper baut den Wirkstoff vollständig ab.
Beim fraktionierten Radiofrequenz-Microneedling erzeugen isolierte Mikronadeln Wärme nur an ihrer Spitze, in der Tiefe, in der die Schweißdrüsen sitzen. Die Hautoberfläche bleibt weitgehend geschont. Die erhitzten Drüsen veröden, und die Zahl der aktiven Schweißdrüsen sinkt mit jeder Sitzung. Wir setzen dafür das INFINI-System ein.
Was Sie realistisch erwarten können
- Antitranspirantien mindern das Schwitzen bei regelmäßiger Anwendung. Setzen Sie sie ab, kehrt es zurück.
- Nach Botulinumtoxin verringert sich die Schweißbildung an den behandelten Stellen deutlich, meist für mehrere Monate. Eine völlig trockene Achsel ist nicht das Ziel; etwas Restschwitzen bleibt und ist normal.
- Beim Radiofrequenz-Microneedling baut sich der Effekt über die Sitzungen auf. Wie stark er ausfällt, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
- Ergebnisse sind individuell und lassen sich nicht garantieren.
Risiken und Nebenwirkungen
- Hautreizung durch AntitranspirantienAluminiumchlorid kann die Haut reizen: Brennen und Rötung. Meist hilft es, das Mittel seltener aufzutragen oder eine niedrigere Konzentration zu wählen.
- Einstichreaktionen nach BotulinumtoxinRötungen, kleine Schwellungen oder blaue Flecken an den Einstichstellen klingen innerhalb weniger Tage ab.
- Allergie und InfektionWie bei jeder Injektion besteht ein geringes Infektionsrisiko. Überempfindlichkeitsreaktionen auf Botulinumtoxin sind selten, aber möglich. Bekannte Allergien geben Sie bitte vorher an.
- Nach dem Radiofrequenz-MicroneedlingRötung, Schwellung und ein Wärmegefühl in den Achseln sind in den ersten Tagen üblich. Kleine Krüstchen, blaue Flecken oder eine vorübergehende Nachdunkelung der Haut sind möglich. Selten kommt es zu einer Infektion oder zu kleinen Narben.
- Kompensatorisches SchwitzenNach Eingriffen an den Schweißdrüsen kann das Schwitzen an anderen Körperstellen zunehmen. Bei den hier beschriebenen Verfahren ist das selten.
- Grenzen der VerfahrenKehrt das Schwitzen nach Botulinumtoxin zurück, ist eine Wiederholung nötig. Nicht jede Hyperhidrose spricht auf jedes Verfahren gleich gut an. Bei sekundärer Hyperhidrose hilft nur die Behandlung der Ursache.
Wann wir nicht behandeln
- Schwangerschaft und Stillzeit (Botulinumtoxin, Radiofrequenz-Microneedling)
- Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung wie Myasthenia gravis (Botulinumtoxin)
- Herzschrittmacher oder andere aktive elektronische Implantate (Radiofrequenz-Microneedling)
- Akute Entzündungen, Infektionen oder offene Hautstellen in den Achseln
- Blutgerinnungsstörungen oder gerinnungshemmende Medikamente (nur nach Rücksprache)
Ergebnisse sind individuell und lassen sich nicht garantieren.
Vor- und Nachsorge
Vorbereitung
- Verzichten Sie am Behandlungstag auf Deodorant und Antitranspirant in den Achseln.
- Verzichten Sie nach Möglichkeit etwa eine Woche vorher auf gerinnungshemmende Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure. Dauerhaft verordnete Blutverdünner setzen Sie nie eigenmächtig ab.
- Informieren Sie uns über Vorerkrankungen, Allergien, Medikamente und Implantate.
Nachsorge
- Reiben oder massieren Sie die Achseln am Behandlungstag nicht.
- Verzichten Sie 24 bis 48 Stunden auf intensiven Sport, Sauna und starke Hitze.
- Nach dem Radiofrequenz-Microneedling kühlen Sie die Achseln vorsichtig und pflegen die Haut mild, bis Rötung und Krüstchen abgeklungen sind.
- Bei anhaltenden Beschwerden melden Sie sich bitte in der Praxis.
Kosten und Erstattung
Die ärztliche Abklärung des Schwitzens ist eine Leistung der gesetzlichen und privaten Krankenkassen.
Botulinumtoxin gegen Hyperhidrose rechnen wir nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab; die Preisliste nennt 550 €. TODO: Ärztlich bestätigen, ob und wann gesetzliche Kassen die Behandlung einer schweren axillären Hyperhidrose mit Botulinumtoxin übernehmen und ob die Praxis das beantragt.
Beim Radiofrequenz-Microneedling der Achseln richtet sich der Preis nach der Zahl der Sitzungen. TODO: Preis je Sitzung für die Achseln ergänzen (die Preisliste nennt nur Gesichtsareale).
Wirkprinzip und Evidenz
Botulinumtoxin ist für die schwere axilläre Hyperhidrose zugelassen; die Leitlinie zur primären Hyperhidrose beschreibt es als Verfahren nach den Antitranspirantien. Zum Radiofrequenz-Microneedling liegen kleinere Studien vor, die eine Verringerung der Schweißbildung über mehrere Monate zeigen; Langzeitdaten sind begrenzt.
Alternativen
Bei starkem Schwitzen an Händen und Füßen ist die Leitungswasser-Iontophorese eine Möglichkeit: Schwacher Gleichstrom dämpft über ein Wasserbad die Schweißbildung. Tabletten, die das Schwitzen am ganzen Körper dämpfen (Anticholinergika), haben Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und kommen nur in Einzelfällen in Frage. TODO: Ärztlich bestätigen, ob die Praxis die Iontophorese anbietet oder verordnet.
Quellen
- AWMF-Leitlinie „Definition und Therapie der primären Hyperhidrose“ (Deutsche Dermatologische Gesellschaft)
- Fachinformationen der zugelassenen Botulinumtoxin-Präparate
Häufige Fragen
Eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist, ob das Schwitzen über die Wärmeregulation hinausgeht und Sie im Alltag einschränkt: durchnässte Kleidung, feuchte Hände beim Begrüßen. Dann lohnt sich die ärztliche Abklärung.
Die übliche Reihenfolge: zuerst Antitranspirantien, bei unzureichender Wirkung Botulinumtoxin oder das Radiofrequenz-Microneedling. Was passt, hängt von der Ausprägung ab und davon, ob Sie eine wiederholbare Behandlung bevorzugen oder die Schweißdrüsen selbst verringern möchten.
Die Wirkung beginnt nach wenigen Tagen und ist nach etwa zwei Wochen vollständig. Sie hält einige Monate an; danach lässt sich die Behandlung wiederholen.
Die Injektionen von Botulinumtoxin erfolgen mit sehr feinen Nadeln; auf Wunsch kühlen wir vorher oder tragen eine betäubende Creme auf. Beim Radiofrequenz-Microneedling setzen wir eine Betäubungscreme und/oder eine Kältebetäubung ein. Ein Wärmegefühl bleibt spürbar.
Diese Seite beschreibt die Behandlung der Achseln. TODO: Ärztlich bestätigen, ob die Praxis Hände und Füße behandelt; bis dahin keine Aussage dazu.
Dermatologie
Beratung vereinbaren
Ob diese Behandlung für Sie passt, klären wir im Gespräch. Rufen Sie an oder buchen Sie online.
Verwandte Behandlungen
Botulinumtoxin
Die Entspannung einzelner mimischer Muskeln glättet Stirnfalten, Zornesfalte und Krähenfüße. Dieselbe Behandlung hilft bei übermäßigem Schwitzen und bei Zähneknirschen.
RF-Microneedling
Beim RF-Microneedling mit dem INFINI-System geben isolierte Mikronadeln Radiofrequenz-Energie in der Lederhaut ab. Die Haut bildet neues Kollagen, die Oberfläche bleibt weitgehend geschont; die Ausfallzeit ist kurz.
Hyperhidrose (RF)
Übermäßiges Schwitzen an den Achseln (axilläre Hyperhidrose) behandeln wir mit fraktioniertem Radiofrequenz-Microneedling, das die Schweißdrüsen verödet, oder mit Botulinumtoxin, das die Schweißbildung für einige Monate drosselt.





