Venerologie
Abklärung und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen, die sich häufig zuerst an Haut und Schleimhaut zeigen.
Was ist das?
Die Venerologie befasst sich mit Infektionen, die beim Sex übertragen werden. Sie gehört zum dermatologischen Fachgebiet, weil sich viele zuerst an Haut und Schleimhaut zeigen. Ein Termin passt bei Veränderungen in diesem Bereich oder bei Wunsch nach Abklärung.
Gebräuchlich sind auch die Abkürzung STI (sexually transmitted infections) und der ältere Begriff Geschlechtskrankheiten. Erste Zeichen sind oft Rötung, Bläschen, Knötchen, eine Warze oder eine wunde Stelle. Manche verlaufen mit wenig oder ganz ohne Beschwerden und fallen nur bei einer Untersuchung auf.
Anlass kann eine bemerkte Veränderung sein oder der Wunsch nach Klarheit nach möglicher Ansteckung, auch ohne Beschwerde. Beides ist ein sachlicher medizinischer Grund. Für das Gespräch gilt die ärztliche Schweigepflicht; sie bindet ebenso alle Mitarbeitenden der Praxis.
Ein Punkt vorweg, weil er zeitkritisch ist: Liegt ein Risikokontakt erst wenige Stunden oder Tage zurück, warten Sie nicht auf einen Termin. Eine vorbeugende Behandlung nach möglicher HIV-Übertragung (Postexpositionsprophylaxe, PEP) muss so früh wie möglich beginnen und kommt nach 72 Stunden nicht mehr infrage. Wenden Sie sich dann sofort an eine Notaufnahme oder eine auf HIV spezialisierte Einrichtung.
Für wen?
- Veränderungen an Haut oder Schleimhaut im Genital- oder Analbereich oder am Mund, etwa Bläschen, Knötchen, Warzen oder wunde Stellen
- Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz oder Schmerzen in diesem Bereich
- Hautausschlag oder Lymphknotenschwellung ohne erkennbare Ursache
- Wunsch nach Abklärung, nachdem eine Ansteckung möglich war, auch ohne Beschwerden
- Eine Partnerin oder ein Partner hat von einer festgestellten Infektion berichtet
- Kontrolle nach einer bereits behandelten Infektion
- Fragen zur Vorbeugung, etwa zu Schutzimpfungen gegen einzelne Erreger
Ablauf
- 1
Gespräch
Für die Einordnung sind einige Angaben wichtig: seit wann etwas besteht, wo es sich zeigt und wie lange ein möglicher Kontakt zurückliegt. Der zeitliche Abstand bestimmt mit, welche Untersuchung jetzt aussagekräftig ist.
- 2
Untersuchung von Haut und Schleimhaut
Wir untersuchen Haut und Schleimhaut der betroffenen Region. Manche Infektionen zeigen Zeichen fern der Eintrittspforte, etwa als Ausschlag am Rumpf oder an Handflächen und Fußsohlen. Deshalb beziehen wir bei Bedarf die übrige Haut ein.
- 3
Proben und Labor
Je nach Fragestellung kommen ein Abstrich, eine Urinprobe oder eine Blutuntersuchung in Betracht. Das Verfahren richtet sich nach dem vermuteten Erreger und dem Zeitpunkt.
- 4
Befund und Behandlung
Das Ergebnis besprechen und ordnen wir ein. Die Behandlung richtet sich nach dem Erreger: bakterielle Infektionen in der Regel mit Antibiotika, virale je nach Erreger mit antiviralen Arzneimitteln oder einer örtlichen Behandlung.
- 5
Partnerinnen und Partner, Kontrolle
Bei einem Teil der Infektionen sollten sich Partnerinnen und Partner ebenfalls untersuchen lassen, auch ohne Beschwerden. Sonst kann eine Infektion nach der Behandlung erneut übertragen werden. Bis Behandlung und Kontrolle abgeschlossen sind, verzichten Sie auf Sexualkontakt oder schützen sich konsequent; nach einer einmaligen Gabe gilt das noch einige Tage. Für einzelne Erreger gehört eine Kontrolluntersuchung nach Behandlungsende dazu.
Was Sie realistisch erwarten können
- Sie entscheiden, was Sie erzählen möchten; Fragen können Sie sich vorab notieren und mitbringen.
- Wie lange ein Ergebnis dauert, hängt vom Untersuchungsverfahren ab.
- Liegt ein möglicher Kontakt erst kurz zurück, kann eine Wiederholung nötig sein: je nach Erreger nach einigen Wochen, für einzelne erst nach etwa drei Monaten.
- Bringen Sie vorhandene Befunde früherer Untersuchungen oder Behandlungen mit sowie eine Liste Ihrer Medikamente.
- Ergebnisse sind individuell und lassen sich nicht garantieren.
Risiken und NebenwirkungenNebenwirkungen, Gegenanzeigen und Hinweise
- Diagnostisches FensterEin unauffälliges Ergebnis gilt für den Zeitpunkt der Untersuchung. Kurz nach einem möglichen Kontakt schließt es eine frische Infektion nicht aus, weil manche Erreger erst nach Tagen, andere erst nach Wochen bis Monaten nachweisbar werden.
- Grenzen der UntersuchungKein Untersuchungsverfahren erfasst alle Erreger. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, ergibt sich aus dem Gespräch und dem Befund.
- Unerkannte InfektionBleibt eine Infektion unerkannt, kann sie fortschreiten und weitergegeben werden, auch ohne Beschwerden. Deshalb ist eine frühe Abklärung sinnvoll.
- Beschwerden, die nicht warten könnenFieber zusammen mit Schmerzen im Unterbauch oder am Hoden, eine rasch zunehmende Rötung oder Schwellung sowie ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl gehören umgehend ärztlich untersucht, außerhalb der Sprechzeiten in einer Notaufnahme.
- Abstrich und BlutentnahmeBeides ist kurz unangenehm. Nach einer Blutentnahme ist ein kleiner Bluterguss möglich.
- ArzneimittelMedikamente zur Behandlung können Nebenwirkungen haben und mit anderen Arzneimitteln in Wechselwirkung treten. Nennen Sie uns bestehende Erkrankungen, Allergien, eine Schwangerschaft oder Stillzeit und alle Medikamente, die Sie einnehmen. Eine begonnene Behandlung sollten Sie wie verordnet zu Ende führen.
- MeldepflichtFür einzelne Infektionen sieht das Infektionsschutzgesetz eine Meldung an die zuständige Stelle vor; bei einem Teil davon erfolgt sie ohne Namensnennung. Ob das für einen Befund gilt, erklären wir im Gespräch.
- Persönliche AufklärungÜber die für Sie geltenden Risiken, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen klären wir Sie vorab persönlich auf.
Ergebnisse sind individuell und lassen sich nicht garantieren.
Kosten und ErstattungPreise, Richtwerte und Erstattung
Ob die gesetzliche Krankenkasse die Kosten einer Untersuchung trägt, hängt vom Anlass und vom Verfahren ab. Bei Beschwerden oder einem konkreten Verdacht ist die Abklärung in der Regel eine Kassenleistung.
Bei privat Versicherten richtet sich die Erstattung nach dem jeweiligen Tarif.
Vorbeugung
Neben der Abklärung im Krankheitsfall gibt es Möglichkeiten, einer Ansteckung vorzubeugen.
- Kondome senken das Risiko einer Übertragung. Gegen alle Erreger schützen sie nicht gleich gut: Infektionen, die über Hautkontakt außerhalb des bedeckten Bereichs weitergegeben werden, sind trotz Kondom möglich.
- Zur Vorbeugung einer HIV-Infektion gibt es die Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die ärztlich begleitete Einnahme von Medikamenten vor einem möglichen Kontakt. Sie gehört seit 2019 für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
- PrEP und die zeitkritische Postexpositionsprophylaxe nach einem Risikokontakt betreffen ausschließlich HIV. Vor anderen sexuell übertragbaren Erregern schützen sie nicht.
Häufige Fragen
Das kann sie sein. Ein Teil der sexuell übertragbaren Infektionen verläuft mit wenig oder ganz ohne Beschwerden und fällt nur bei einer Untersuchung auf. Ob und welche Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist, hängt vom Anlass und vom zeitlichen Abstand zu einem möglichen Kontakt ab.
Das ist von Erreger zu Erreger verschieden und reicht von wenigen Tagen bis zu etwa drei Monaten. Für einzelne Erreger gilt ein unauffälliges Ergebnis erst rund sechs Wochen nach dem Kontakt als verlässlich, für andere erst nach etwa drei Monaten. Deshalb ist eine zweite Untersuchung nach dem passenden Abstand oft Teil der Abklärung.
Für alles, was in der Praxis besprochen und festgestellt wird, gilt die ärztliche Schweigepflicht; sie bindet ebenso die Mitarbeitenden. Ohne Ihre Einwilligung geben wir keine Auskunft an Angehörige, an Partnerinnen und Partner oder an Arbeitgeber. Eine gesetzliche Ausnahme sind die Meldepflichten nach dem Infektionsschutzgesetz, die für einzelne Infektionen gelten und bei einem Teil davon ohne Namensnennung erfolgen.
Bei einem Teil der Infektionen ist das medizinisch sinnvoll, auch wenn dort keine Beschwerden bestehen. Sonst kann die Infektion nach der Behandlung erneut übertragen werden. Wer untersucht werden sollte und für welchen Zeitraum das gilt, richtet sich nach dem Erreger.
Sie können damit zu uns kommen. Viele Veränderungen an Haut und Schleimhaut in diesem Bereich haben andere Ursachen, etwa ein Ekzem oder eine mechanische Reizung. Diese Einordnung ist Teil der Untersuchung.
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